Unzufriedener Neureuther: DSV lehnt schnelle Lösung ab

Are – Eine rasche Reaktion auf die Kritik von Felix Neureuther wird es im Deutschen Skiverband nicht geben. «Schnellschusslösungen, das ist überhaupt nicht mein Ding», sagte Alpinchef Wolfgang Maier der Deutschen Presse-Agentur über die Forderungen seiner Galionsfigur.

«Ich weiß, was er meint, aber ich sehe das nicht so dramatisch», sagte Maier und bemühte sich noch in Schweden um eine Deeskalation der Situation. «Man muss das nicht so hoch hängen, wie es sich gerade anhört. Wir sehen die Kritik und gehen auch darauf ein. Dann schauen wir mal.»

Gepaart mit der Enttäuschung über die verpasste vierte Medaille bei einem WM-Slalom und dem Aus im letzten Rennen hatte Neureuther Veränderungen im Verband verlangt und die Fortsetzung seiner Karriere damit verknüpft. «Wenn ich das Gefühl habe, dass das die richtige Richtung ist, dann bin ich dabei und hätte große Freude daran», hatte er erklärt und nach einigen Sekunden Bedenkzeit gesagt: «Fakt ist: So wie es momentan ist, lass ich es bleiben.»

Neureuther hat noch den Slalom am 10. März in Kranjska Gora und den Slalom beim Weltcup-Finale in Soldeu eine Woche danach, dann ist diese außerordentlich komplizierte und für ihn so unbefriedigende Saison vorbei. Danach will er sich mit den Trainern zusammensetzen und beratschlagen, wie und ob es weitergeht. Thematisiert werden dann sicher auch die Entscheidungen des Verbands, die ihm nicht gefallen haben. Welche das waren, wollte er nicht sagen: «Das ist intern.»

Bis sich Neureuther oder der DSV inhaltlich dazu äußern, bleibt es also Spekulation, was gemeint ist. Waren es Personalentscheidung in Schweden? Oder liegen die Kritikpunkte schon viel weiter zurück und haben mit den Weltmeisterschaften in Are gar nichts zu tun? 

Klar ist, dass Neureuther unzufrieden ist. Mit seiner Situation, in der zu den ganzen gesundheitlichen Problemen auch die Schwierigkeiten mit dem Material kommen. Und mit der Ausbeute seiner Kollegen in diesem Winter. Einzig Josef Ferstl holte mit seinem Sieg in Kitzbühel einen Podestplatz bei den Männern, die fünf anderen im Weltcup verteilten sich auf Viktoria Rebensburg und Kira Weidle.

«So, wie wir uns als Mannschaft präsentiert haben bei den Rennen, das war nicht das, was wir können. Das muss man analysieren, an was es gelegen hat», forderte Neureuther speziell für die Techniker. Namentlich ausgenommen von dieser Kritik waren einzig Dominik Stehle und Stefan Luitz. Es dürfe nicht sein, dass «es immer nur von einer Person abhängig ist, ob man Erfolg hat oder nicht. Da muss sich jeder an seine eigene Nase greifen und dann versuchen, etwas zu ändern».

Einen Winter ohne Podestplatz für ihn gab es zuletzt vor 13 Jahren, derzeit sind drei achte Plätze die Ausbeute. Schuld daran sind in seiner Comeback-Saison nach dem Kreuzbandriss ganz offensichtlich die vielen weiteren Blessuren und Pannen, erst am Donnerstag stürzte er im Training, schlug sich danach den Kofferraumdeckel auf den Kopf und lag «den ganzen Tag auf der Physio-Liege mit einem Loch im Kopf».

Schuld daran ist aber auch das Training – das Neureuther längst nicht mehr so intensiv und diszipliniert absolviert wie früher, wenn man den ganzen Zwischentönen Glauben schenkt, die es in den vergangenen Wochen vonseiten der sportlichen Führung im DSV gab. Und in dem er nach eigener Einschätzung offenbar nicht so von Teamkollegen angetrieben und gefordert wird, wie er sich das vorstellt.

Fotocredits: Expa/Johann Groder
(dpa)

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