Zwei Polen bei verrücktem WM-Skispringen vorne

Seefeld – Die deutschen Skispringer haben bei den Weltmeisterschaften in Seefeld in einem verrückten Wettkampf eine weitere Medaille verpasst.

Richard Freitag sprang als bester DSV-Adler bei wechselnden Winden und Schneefall auf Rang fünf. Den Sieg auf der Normalschanze sicherte sich der Pole Dawid Kubacki vor seinem Landsmann Kamil Stoch und dem Österreicher Stefan Kraft.

Nach dem ersten Durchgang, den Bundestrainer Werner Schuster im ZDF wegen der komplizierten Bedingungen als «schwierig für alle Beteiligten» bezeichnet hatte, lag Karl Geiger auf Rang zwei. Im zweiten Durchgang konnte der Oberstdorfer aber nicht mehr angreifen – im Gegenteil. «Karl hatte am Ende keine Chance mehr», sagte Schuster zu den äußeren Umständen, bei denen Geiger, der am Ende 18. wurde, am Freitag springen musste. Als zweitbester Deutscher landete Stephan Leyhe auf dem sechsten Platz. Markus Eisenbichler wurde Siebter.

Nach dem Wettkampf kritisierte der deutsche Sportliche Leiter Horst Hüttel die Jury heftig. «Der zweite Durchgang war komplett irregulär. Wenn das nicht irregulär ist, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Dafür gibt es ein Wettkampf-Management. Die haben kläglich versagt», sagte der erzürnte Funktionär. Auch Geiger war spürbar enttäuscht: «Ich mag kaum was dazu sagen. Gerecht war da nichts mehr.»

Erstmals seit 2013 landete in einem WM-Einzel damit kein deutscher Springer auf dem Podest. Von der Großschanze in Innsbruck hatte Eisenbichler bei den laufenden Weltmeisterschaften die Goldmedaille gewonnen, Geiger hatte Silber geholt. Im Teamwettbewerb war die Schuster-Mannschaft ebenfalls nicht zu schlagen gewesen.

Das Mixed, das am Samstag (16.00 Uhr/ZDF und Eurosport) das große Finale der Skisprung-Wettbewerbe von Seefeld ist, war bei den Titelkämpfen in der jüngeren Vergangenheit in deutscher Hand und bietet die Gelegenheit für das nächste Gold. Katharina Althaus, Eisenbichler, Juliane Seyfarth und Geiger sollen den DSV-Skispringern einen gelungenen Abschluss bescheren.

Anders als die Schanzenkünstler sind die deutschen Langläufer nicht an Medaillen gewöhnt. Mit der Staffel konnten Sebastian Eisenlauer, Andreas Katz, Florian Notz und Jonas Dobler erwartungsgemäß nicht in den Kampf um WM-Edelmetall eingreifen. Sie belegten am Freitag beim Sieg des norwegischen Quartetts um Star Johannes Kläbo in Seefeld den sechsten Platz. Bundestrainer Peter Schlickenrieder war zufrieden. «Einen kleinen Prosecco gibt es schon», sagte er. «Da kann man drauf aufbauen, da geht etwas vorwärts.»

Vor 12 600 Zuschauern hatte Kläbo, für den der Sieg schon der dritte Triumph in Tirol war, den Russen Sergej Ustjugow etwa vier Kilometer vor dem Ziel abgehängt und schon weit vor der roten Linie das zehnte Staffel-Gold der Norweger am Stück feiern können. Der 22-Jährige ist der erste Sportler in Seefeld mit drei Titeln. Silber sicherten sich die geschlagenen Russen, Bronze machte der sprintstarke Richard Jouve für Frankreich perfekt.

Nicht angetreten war zwei Tage nach der Doping-Razzia von Seefeld mit sieben Festnahmen Gastgeber Österreich: Der ÖSV verfügt nach den vorläufigen Sperren von Dominik Baldauf und Max Hauke nur noch über drei erfahrene Langläufer. Wie schon bei der Frauen-Staffel tags zuvor drückte der Doping-Eklat aber nicht auf die Stimmung bei den Fans im Stadion. Zahlreiche Norweger feierten mal wieder eine Langlauf-Party, dem immer stärkeren Regen zum Trotz.

Auch wenn sich die Fans die Stimmung nicht vermiesen ließen, ärgerte sich Dobler. «Es kann einem auch für den Veranstalter leid tun, weil die machen hier eine Top-WM, und da liegt jetzt natürlich auch diese negative Schlagzeile drüber», sagte der 27-Jährige. Mit dem Team rede man natürlich über den Doping-Eklat und ärgere sich darüber, sagte Dobler.

Fotocredits: Hendrik Schmidt
(dpa)

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