Skispringer hoffen auf dritten Medaillen-Coup

Lahti – Bei einem Ausflug mit Schneemobilen und einem Abendessen in der Pizzeria «Mamma Maria» stimmten sich die deutschen Ski-Adler um die Mixed-Weltmeister Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler auf den WM-Showdown auf der Großschanze ein.

Vor der Einzel-Entscheidung am Donnerstag (17.30 Uhr) ließ Bundestrainer Werner Schuster die Zügel ganz locker und gönnte seinen furios in die Titelkämpfe gestarteten Schützlingen eine Schanzen-Auszeit. «Wir wollten noch einmal loslassen und haben uns bewusst für eine Pause entschieden, um noch einmal Kraft für die letzten beiden Entscheidungen zu tanken», sagte Schuster.

Mit Gold im Mixed sowie Silber und Bronze durch Wellinger und Eisenbichler haben die DSV-Springer das WM-Soll schon auf der Normalschanze übererfüllt. Damit ist der Druck weg. «Alles was jetzt noch kommt, ist Zugabe», erklärte Wellinger. Und Eisenbichler meinte: «Es wird schwierig, dieses Ergebnis auf der großen Schanze zu toppen.»

Der Medaillenhunger ist jedoch längst nicht gestillt. Immerhin gilt es den Titel zu verteidigen, mit dem der verletzte Severin Freund 2015 eine 14-jährige Gold-Durststrecke beendet hatte. «Wir sind froh, dass wir gut gestartet sind. Aber wir wollen jetzt auch durchziehen. Wir sind sehr motiviert», erklärte Schuster.

Das gilt auch für Stephan Leyhe und vor allem Richard Freitag, der vor vier Jahren in Lahti einen seiner bislang fünf Weltcupsiege feierte. «Ich hoffe, dass ich gegenüber der kleinen Schanze noch mehr aufdrehen kann», erklärte der Sachse nach dem Schneemobil-Trip. «Der Ausflug war cool. Es war eine schöne Gaudi.»

Die Stimmung ist also prima und Schuster zuversichtlich. «Die Jungs mögen die Schanze», versicherte der Bundestrainer. Sein WM-Plan ist bislang hervorragend aufgegangen. Im vergangenen Sommer hatte er einen Trainingskurs in Lahti durchgeführt. So konnten sich Wellinger und Eisenbichler den Luxus leisten, komplett auf das Training zu verzichten und erst in der Qualifikation an diesem Mittwoch erstmals auf den großen Bakken zu klettern. «Wir kennen die Schanze sehr gut. Von unserer Grundtechnik her werden wir zügig unseren Rhythmus finden», versicherte Schuster.

Die Medaillen-Konkurrenz ist jedoch groß. Da ist zum einen Stefan Kraft, der auf der Normalschanze Gold holte. «Ich weiß, dass ich sehr gute Chancen habe. Ich möchte wieder mitmischen», sagte der Österreicher.

Das hat auch Vierschanzentourneesieger Kamil Stoch aus Polen vor. Der Weltcup-Spitzenreiter, 2013 schon einmal Weltmeister, ging wie seine Teamkollegen auf dem kleinen Bakken überraschend leer aus. «Auf der Großschanze wollen wir mehr. Die Jungs haben auch das Potenzial dazu», verkündete Polens Team-Manager Adam Malysz.

Und dann hat Schuster auch noch den Vorjahres-Dominator auf der Rechnung. «Die Slowenen werden wieder ins Spiel kommen, vor allem Peter Prevc», prophezeite er. Angst macht das den deutschen Ski-Adlern aber nicht. «Ich habe schon Silber und Gold – besser kann es nicht laufen», sagte Hoffnungsträger Wellinger. «Da kann ich jetzt befreit drauflos springen.»

Fotocredits: Peter Klaunzer
(dpa)

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