Rebensburg feiert zweiten Platz wilder als Silvester

Semmering – Ohne Gnade und mit einem Strahlen im Gesicht duschte Viktoria Rebensburg nach ihrem unerwarteten zweiten Platz im Riesenslalom Siegerin Petra Vlhova mit Schampus und forderte alle ihre Betreuer auf, einen Schluck aus der großen Flasche zu trinken.

«Echt cool», sagte Deutschlands beste Skirennfahrerin nach dem guten Jahresabschluss am Zauberberg in Semmering und einer spontanen Feier, die sicher wilder war als alle ihre Pläne für Silvester: «Für mich ist wichtig die Tage daheim genießen zu können, runter zu kommen und die Akkus wieder aufzuladen», sagte Rebensburg nach der Aufholjagd von Platz zehn auf zwei im Finale und einem gelungenen persönlichem Jahresabschluss.

«Respekt», sagte Bundestrainer Jürgen Graller über seine beste Sportlerin. «Mit der Ausgangssituation im zweiten Lauf taktisch so klug zu fahren, das war schon eine sehr gute Leistung. Dass man noch auf den zweiten Platz kommt, das ist sensationell.» Die Olympiasiegerin von 2010 hatte am Vormittag eine Schlüsselstelle völlig verpatzt und sich so vor dem zweiten Lauf mehr als eine halbe Sekunde Rückstand auf die Spitze eingehandelt.

Von einem verschenkten Sieg auf dem Zauberberg wollte Rebensburg nach dem 44. Podestresultat ihrer Karriere dennoch nicht sprechen. «Man weiß nie, ob ich ohne Fehler im zweiten Lauf genauso gefahren wäre. Ich bin froh so, wie es ist», betonte sie vor der Heimreise an den Tegernsee. Dort will sie ein paar Tage abschalten und Kraft tanken.

Zum ganz großen Coup fehlten der 29-Jährigen am Ende 0,45 Sekunden, die die Slowakin Vhlova beim ersten Riesenslalom-Sieg ihrer Weltcup-Laufbahn schneller war. Platz drei ging an die französische Weltmeisterin Tessa Worley mit 0,60 Sekunden Rückstand.

Mikaela Shiffrin aus den USA verschenkte ihre Führung im Finale und rutschte zurück auf den fünften Platz. Sie kann im Slalom am Samstag (10.30/13.30 Uhr) dennoch einen weiteren Rekord aufstellen und den 15. Weltcup-Sieg in einem Kalenderjahr verbuchen. Das ist vor ihr keiner Frau und keinem Mann gelungen.

Rebensburg dagegen hat nun schon ihre kleine Pause vor der intensiven Zeit im Januar vor der Abreise zur WM nach Schweden. Nach dem zweiten Platz in Courchevel vor Weihnachten stimmt die Form und das Selbstvertrauen. «Bei der Vicky mach‘ ich mir im Riesenslalom keine Sorgen», sagte Alpinchef Wolfgang Maier. «Man weiß, dass sie zur absoluten Weltspitze gehört.» Vor dem Riesenslalom am Kronplatz am 15. Januar warten aber noch die Speedrennen in St. Anton.

Auch Graller ist zuversichtlich für das kommende Jahr. «Jetzt ist es die Bestätigung des eingeschlagenen Weges», sagte der Österreicher. «Ich glaube, dass sie wieder beruhigt über Silvester drüber schlafen kann und ab 2. Januar fangen wir dann mit frischem Dampf wieder an.» Und Rebensburgs eigene Wünsche für 2019, neben der Gesundheit? «Im Endeffekt da weitermachen, wo ich Ende 2018 aufgehört habe. Mit weniger Fehlern, da hätte ich nichts dagegen.»

Fotocredits: Roland Schlager
(dpa)

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