Alpenkanal zwischen Nordsee und Mittelmeer: utopisch oder realisierbar?

Schon vor 100 Jahren hatte der Schweizer Ingenieur Pietro Caminada die Idee, die Nordsee und das Mittelmeer miteinander zu verbinden. Ein Kanal über den Alpen sollte dies ermöglichen.


Quelle: flickR/Horst Schulte

Caminada hatte Großes geplant. So wollte er veranlassen, dass Lastschiffe auf einem Kanal die Alpen überqueren können. Der Schweizer Ingenieur hatte die Idee von einem durchgängigen Wasserweg, der von der Nordsee bis zum Mittelmeer führt.

Alpenkanal – Von der Nordsee bis zum Mittelmeer

Der Alpenkanal sollte eine mehrere hundert Kilometer lange Wasserstraße sein, die über die Städte Genua, Alessandria, Mailand und Como führt und den Splügenpass sowie den Bodensee überquert und schließlich nach Basel führt, von wo aus sie die Nordsee erreichen sollte.

Im Jahr 1907 trat der Ingenieur Caminada mit seinem Plan an die Öffentlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon eine beachtliche Karriere zu verzeichnen. In jungen Jahren wanderte er nach Südamerika aus, wo er sich bei der Gestaltung des Hafenbeckens von Rio de Janeiro einen Namen machte. Einige Architekturhistoriker sind der Meinung, dass erst Caminada die Stadt Rio de Janeiro zu einer großen modernen Stadt umgebaut habe.

Rückkehr nach Europa

1907 kehrt Caminada schließlich nach Europa zurück und lässt sich in Mailand nieder. Nachdem er die Medien von seinem Vorhaben in Kenntnis gesetzt hat, berichten die Zeitungen in Italien über sein spektakuläres Projekt, einen Alpenkanal bauen zu wollen. Für dieses stehen die Chancen sogar sehr gut, da das Straßennetz im Alpenraum eher schlecht als recht ausgebaut ist und der Gütertransport zum großen Teil auf die Binnenschifffahrt setzt.

Die von Caminada entwickelte Technik „erinnert an das Rohr einer Wasserleitung im gebirge, die sich vom Hauptreservoir über Berghänge und Hügel bis zu einer Ortschaft im Tal hinabschlängelt“. Solche Leitungen, allerdings mit weitaus größerem Durchmesser, möchte Caminada einsetzen, damit Schiffe schwere Lasten transportieren und Steigungen von knapp einem Kilometer überqueren können.

In Italien großes Interesse am Projekt

Da Italien um 1900 herum einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung zu verzeichnen hat, ist das Interesse am Bau eines Alpenkanals sehr groß. Sogar die Mitglieder des Parlaments beraten über die Pläne des Schweizer Ingenieurs.

Der Ingenieur feilt über 15 Jahre lang an seinem Plan, einen Alpenkanal zu errichten. Er baut das gesamte Schleusensystem in mehreren Varianten in Miniaturform auf und konstruiert schließlich für eine Architekturausstellung ein Modell im Maßstab 1 : 10. Aber dann bricht der Erste Weltkrieg aus. Nach Kriegsende arbeitet Caminada weiter an seinem Projekt, aber Italien hat anderes im Sinn, als sich vom Alpenkanal beeindrucken zu lassen. Für das Land stehen vielmehr militärische Eroberungen auf dem Plan.
Kurz bevor Caminada nach Graubünden reisen will, um die Bedingungen der Errichtung des Alpenkanals zu prüfen, verstirbt der Ingenieur am 20. Januar 1923 in Rom.

Im Verlauf der Zeit gerät das Projekt immer mehr in Vergessenheit, aber der Lehrer Kurt Wanner ist nach seinem Umzug in den 1960er Jahren in das Dorf Splügen von dem gleichnamigen Alpenpass mehr als begeistert. Im Jahr 2005 organisiert der Lehrer eine Sonderausstellung zu dem Projekt und mit der Zeit baute sich sogar eine kleine Fangemeinde auf.

Der Wasserkraftaktivist und pensionierter Staatsbeamter Albert Mairhofer ließ sich vom dem Projekt Caminadas inspirieren. Allerdings möchte er ohne Doppelkammerschleusen bzw. Schiffshebewerke auskommen. Seine Idee ist vielmehr, einen Pass mitten durch die Alpen zu legen.

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