Deutsches Wissen im Biathlon gefragt

Hochfilzen – Dass sich Michael Greis und Ricco Groß zwölf Jahre nach ihrem gemeinsamen Olympiasieg wieder fast täglich über den Weg laufen, ist kein Zufall.

Deutsches Know-how ist im Biathlon weltweit gefragt, das Wissen der früheren Stars auch in anderen Nationen begehrt. Während Greis in diesem Winter als Männer-Cheftrainer in den USA erstmals große Verantwortung trägt, soll Groß nach drei Jahren in Russland nun die Skijäger aus Österreich weiter nach vorne bringen.

«Wir wollen nicht als Touristen zur WM fahren und in den Staffel-Wettbewerben den großen Nationen Paroli bieten», sagt der 48 Jahre alte Groß vor seinem Heimspiel in dieser Woche in Hochfilzen. In Österreich findet ab Donnerstag der zweite Weltcup der Saison statt, in dem kleinen Ort im Pillerseetal absolvierte der viermalige Olympiasieger fast die gesamte Vorbereitung mit seinem neuen Team. Umziehen musste er dafür nicht, Groß lebt weiterhin in seiner Wahlheimat Ruhpolding und pendelt regelmäßig in das Nachbarland.

Auch Greis ist nicht ausgewandert, hat seinen Lebensmittelpunkt weiter in Deutschland und reiste in der Saisonvorbereitung mindestens einmal im Monat länger in die USA, um seine Schützlinge besser kennenzulernen. Der 42-Jährige, 2006 in Turin dreimaliger Olympiasieger, soll in Nordamerika Aufbauarbeit leisten und vor allen Sean Doherty und Leif Nordgren zu den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking führen. «Es ist viel Reise-Aufwand, aber bisher kann ich es gut aushalten», sagte Greis: «Dafür habe ich dann, wenn ich zu Hause in Deutschland bin, nicht so viel zu tun.»

Der frühere Gesamtweltcupsieger Greis hat zunächst einen Vertrag für einen Winter, dieser könnte aber um vier Jahre verlängert werden. Der Nesselwanger war zuvor zwei Jahre Nachwuchscoach im schweizerischen Lenzerheide, über den deutschen Sportdirektor der Amerikaner, Bernd Eisenbichler, kam der Kontakt für den neuen Job zustande. Der Start sei äußerst positiv verlaufen, genau wie bei Groß. «Die gesamte Mannschaft macht brutal viel Spaß. Wir haben sehr zielgerichtet gearbeitet, das sind hoch professionelle Athleten», sagte Groß.

Er und Greis wurden 2004 in Oberhof mit der deutschen Staffel Weltmeister, zwei Jahre später holten sie in Turin auch Olympia-Gold. Kurios: Das komplette Quartett von 2006 trifft sich nun regelmäßig im Weltcup wieder. Michael Rösch läuft nach einem Nationenwechsel noch immer für Belgien, Sven Fischer ist für den Fernsehsender ZDF als Experte vor der Kamera im Einsatz.

Und auch am Schießstand wird im Biathlon-Zirkus viel Deutsch gesprochen. Wolfgang Pichler (63) betreut als Trainer die Schweden, der ebenfalls aus Ruhpolding stammende Matthias Ahrens (57) die Kanadier und der Thüringer Jörn Wollschläger (40) die Schweizer.

Ricco Groß war bis 2014 noch im Trainerteam des Deutschen Skiverbandes, musste nach den medaillenlosen Winterspielen der Frauen in Sotschi aber gehen. Im Sommer hatte der gebürtige Sachse in Russland, wo er mit den ständigen Nachwehen des Staatsdopings kämpfen musste, nach Auslaufen seines Vertrages keinen gemeinsamen Nenner mit dem Verband mehr gefunden. Die Österreicher bemühten sich hingegen «sehr hartnäckig» um seine Dienste. Enge Kontakte zur Verbandsführung erleichterten den Wechsel. «Ich bin nicht in komplett etwas Neues reingerutscht», sagte er der Nachrichtenagentur APA.

Greis hatte vor der aktuellen Saison nach eigener Aussage Kontakt mit dem DSV und bekam einen Job als Nachwuchstrainer angeboten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Verhandlungen mit den Amerikanern aber schon zu weit. Bereut habe er den Wechsel nicht. «Es macht Spaß und ist eine tolle Aufgabe», sagt Greis: «Mein Ziel ist, dass wir besser sind als letztes Jahr und Athleten nachwachsen. Es ist noch keine Breite wie in anderen Nationen, es sind nur eine Handvoll Athleten.»

Fotocredits: Hendrik Schmidt,Kevin Kurek
(dpa)

(dpa)