Wellinger mit neuer Rolle: Olympiasieger sucht WM-Form

Seefeld – Im großen Skisprung-Schauspiel bleibt für Andreas Wellinger derzeit nur eine Nebenrolle.

Während Markus Eisenbichler bei der Nordischen Ski-WM mit Flugshows glänzt und nach seinem Einzel-Triumph mit Karl Geiger, Richard Freitag und Stephan Leyhe auch im Team Gold abräumte, erlebt der frühere Hauptdarsteller eine Enttäuschung nach der anderen. Im ersten WM-Springen schied Wellinger am Bergisel schon im ersten Durchgang aus, im Mannschaftswettbewerb musste der Olympiasieger von Pyeongchang dann komplett zuschauen.

«Das ist ganz einfach scheiße», sagt er über seine aktuelle Situation. «Ich habe vor der WM schon gewusst, dass es schwierig wird.» Wellinger startete ordentlich in die Saison, wurde Ende November im finnischen Kuusamo sogar Zweiter. Dann ging’s bergab. Dem 23-Jährigen gelang im Einzel kein einziger Top-Ten-Platz mehr.

Das Phänomen, dass zuvor konstant erfolgreiche Sportler plötzlich nicht mehr liefern, ist im Skispringen kein Neues. Manchmal bringen Verletzungen die Flugkünstler aus dem Tritt – Severin Freund ist dafür ein Beispiel. Manchmal kommen die Sportler mit technischen Neuerungen nicht klar. Und woran liegt’s bei Wellinger?

«An seinem System ist irgendetwas faul heuer», sagte Bundestrainer Werner Schuster in der «Frankenpost». «Er hat nicht diese Absprungqualität.» Hinzu kommt die psychologische Komponente. Skispringen ist zu einem großen Teil auch Kopfsache.

Anders als beim Fußball, wo sich mit Kampfgeist und Einsatzwillen manch technische Schwäche auch mal ausgleichen lässt, kann man auf der Schanze nichts erzwingen, macht es im Gegenteil durch eine zu aggressive Herangehensweise sogar oft noch schlimmer.

«Andi muss mal zwischen Platz zehn und zwanzig zufrieden sein», sagt Schuster. «Wenn er das aber noch ein-, zweimal schafft, dann kann er auch wieder die Top Ten in Angriff nehmen.» Das Potenzial ist da, die Unterstützung von Trainern, Betreuern und Kollegen auch. «Wir haben nicht vergessen, dass er uns in den letzten beiden Jahren die Kohlen aus dem Feuer geholt hat», sagt Schuster.

Auch Wellinger demonstriert trotz der persönlichen sportlichen Krise und der Nicht-Berücksichtigung im Mannschaftswettbewerb Teamgeist. Statt rumzustänkern, feiert er lieber mit den anderen DSV-Adlern. Seine eigene Situation nerve ihn zwar «wie Sau», erklärt er in der ARD. «Das hindert mich aber nicht daran, mich mit den anderen zu freuen.» Bei der Gold-Party nach dem Mannschaftsspringen im Deutschen Haus wurde er demonstrativ zum Sieger-Quartett auf die Bühne gerufen.

Trotz der schwachen Ergebnisse sei der Bayer auch sportlich «gar nicht so weit weg von den anderen», sagt Schuster. Und Wellinger meint: «Für mich heißt es: Die kleinen Schritte gehen und irgendwann kommt der Tag, dann geht’s wieder bergauf.»

Ob das noch bei diesen Weltmeisterschaften geschieht, bei denen noch das Einzel und das Mixed-Teamspringen von der Normalschanze auf dem Programm stehen, ist sehr fraglich. Spätestens im nächsten Winter werden die Hauptrollen dann aber wieder neu vergeben.

Fotocredits: Matthias Schrader
(dpa)

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